Die Tour d’Energie von den Zietenterrassen 2005

Die Auffahrt zum Hohen Hagen hat eine Steigung von bis zu 12 Prozent. Die Aufforderungen gelten natürlich für alle Fahrer.

Ein Bericht von der Tour d’Energie von den Zietenterrassen in Göttingen am 23.04.2005.

Als gebürtiger Göttinger (jetzt Kreis Pinneberg-Bürger) wollte ich mir das erste Jedermann-Radrennen in der Universitätsstadt natürlich nicht nehmen lassen: die „Tour d’Energie von den Zietenterrassen“ im Rahmen der „Oddset-Rundfahrt“ (ehemals Niedersachsen-Rundfahrt“. Obwohl mir das relativ bergige Profil schon vorher sehr anspruchsvoll vorkam, habe ich als „Nordlicht“ doch nur den Deich für das Höhentraining. Doch was soll’s, Knapp 1000 Höhenmeter, das entspricht rund 140 mal den Deich rauf…

Kurz vor dem Start noch ein lässiger Blick zu den Zuschauern.

Kurz vor dem Start noch ein lässiger Blick zu den Zuschauern.

Das Wetter

Herrlicher Sonnenschein, etwa 17 Grad, kaum zu spürender Ost-Wind, das versprach ideale Bedingungen für eine Radfahrt in kurzer Hose und kurzärmeligem Trikot. Nur auf den Abfahrten könnte es etwas frisch werden, was sich dann auch bestätigt hat.

Der Start

Schon beim Start wurden wir vom Tour-Teufel Didi Senft lautstark angefeuert.

Schon beim Start wurden wir vom Tour-Teufel Didi Senft lautstark angefeuert.

Von den Zietenterassen ging’s neutralisiert los – bergab in einem Höllentempo und angefeuert vom „Tour-Teufel“ Didi Senft. Steil bergab flogen wir runter bis auf die Bürgerstraße und dann Richtung Dransfeld. Und danach ging es schon mal leicht bergauf. Den eigentlichen Start habe ich wohl verpennt, kurz vor Groß Ellershausen fuhr ich auf eine größere Gruppe auf, da war wohl dann der fliegende Start.

Groß Ellershausen – Dransfeld – Hann. Münden

In der Gruppe ging’s dann flott voran, obwohl es weiterhin leicht bergauf ging. Dann hinter dem Waldstück die erste Renn-Abfahrt und gleich wieder bergauf. Immerhin liegt Dransfeld deutlich höher als Göttingen. Doch Dank des Windschattens waren das wohl die schnellsten Bergauf-Fahrten meiner bisherigen Radfahrer-Karriere. Hinter Dransfeld ging’s dann ständig bergab bis ins Wesertal nach Hann. Münden. Einzig die Kehren vor Scheden erforderten dann doch noch das Betätigen der Bremsgriffe.

Die Ortsdurchfahrt von Dransfeld

Die Ortsdurchfahrt von Dransfeld

Hann. Münden – Hemeln

Das war mit das schönste Teilstück der Strecke, selbst den kurzen Anstieg in Gimte habe ich kaum bemerkt, so flott ging’s voran. Einziges Problem: Die Riegel zur Stärkung kurz vor Hemeln habe ich wieder mal nicht aufbekommen. Also habe ich es mit dem modernen Gel versucht, wovon ich aber auch nur die Hälfte in den Mund bekommen habe. Den Rest muß ich jetzt erst mal wieder vom Rahmen abwischen. Dass das Zeug aber auch so kleben muß…

Bramwald, 3. Kategorie

Die Paßhöhe im Bramwald, von der Verpflegungsstation aus zu sehen. Es folgt ein heißer Ritt abwärts auf recht schlechter Straße.

Die Paßhöhe im Bramwald, von der Verpflegungsstation aus zu sehen. Es folgt ein heißer Ritt abwärts auf recht schlechter Straße.

Und dann kam er auch schon, mein erster Berg der 3. Kategorie: Von Hemeln rauf in den Bramwald. Zuerst schön am Hang lang, und dann in mehreren Kehren in den Wald rein. Da mußte die Pumpe schon richtig ran. Aber: keine Probleme, so daß ich die Verpflegungsstelle auf der Paßhöhe nicht angefahren bin und mich gleich an die Abfahrt Richtung Bühren gemacht habe. Die hatte es aber in sich, denn so richtig rollen lassen konnte man das Rad nicht. Schmaler Weg, Risse und Löcher im Asphalt und rasende Konkurrenten erforderten höchste Aufmerksamkeit. Und unten in Bühren gab’s dann noch eine kurze Kopfsteinpflaster-Passage, wo kurz vor mir ein Mitstreiter die Kurve verpaßt hat und mit blutigen Knien am Straßenrand hockte. Doch die Sanitäter waren schnell am Mann. Übrigens hatte ich immer das sichere Gefühl, daß Begleitfahrzeuge und Sanitäter in der Nähe waren. Falls doch noch was passieren sollte…

Wieder rauf nach Dransfeld

Was während der ersten Rennhälfte noch sehr angenehm war, nämlich die Abfahrt von Dransfeld ins Wesertal, sollte einem zu Denken geben. Denn zumindest den Abschnitt ab Scheden ging’s wieder nach Dransfeld rauf. Und das jetzt überwiegend allein, denn der Bramwald hatte das Feld schon sehr stark auseinander gerissen. Also wieder die Kehren hoch und weiter bis nach Dransfeld.

Und noch mal 3. Kategorie – Hoher Hagen

Die Auffahrt zum Hohen Hagen hat eine Steigung von bis zu 12 Prozent. Die Aufforderungen gelten natürlich für alle Fahrer.

Die Auffahrt zum Hohen Hagen hat eine Steigung von bis zu 12 Prozent. Die Aufforderungen gelten natürlich für alle Fahrer.

Und dann kam der Hammer. Als absolut bergunerfahrenes Nordlicht sollte ich den Hohen Hagen hinauf zum Gaußturm strampeln. Das ging ja noch ganz moderat los, ähnlich wie der Anstieg im Bramwald. Doch wurde es immer steiler bis in den zweistelligen Prozentbereich und mit dem Wahnsinnstempo von acht Stundenkilometern. Die ersten habe ich schon das Rennrad schieben sehen, doch dann die Peinlichkeit schlechthin: da hat mich doch tatsächlich einer auf dem Bonanzarad überholt! Naja, der hat ja auch die kleinen Räder. In diesem Abschnitt war das Publikum eine wahre Hilfe, Tausend Dank. Und so habe ich dann auch diesen Höllenritt im Schlangenkurs geschafft. Die Abfahrt danach war aber auch nicht die wahre Erholung, dann die Kurven hatten es schon in sich, bis man dann endlich auf der Straße Jühnde-Dransfeld angekommen war.

Endspurt

Von dort ging es dann überwiegend wieder bergab nach Göttingen, nur kurz vor dem Waldstück war noch mal ein kurzer knackiger Anstieg zu bewältigen. Aber trotz der schweren Beine kein Problem, konnte man doch vorher genügend Schwung holen. Und dann die lange Gerade nach Göttingen hinein war nur noch reiner Genuß. Scharfe Kurve nach rechts auf die Bürgerstraße und dann das Ziel. Ein letztes Anfeuern vom Tour-Teufel und es war geschafft! Glücksgefühle genießen, Transponder abgeben, Nudeln futtern und ab nach Hause.

Das Ziel in der Bürgerstraße: Nach 80 Kilometern Qual und Pein glücklich geschafft…

Das Ziel in der Bürgerstraße: Nach 80 Kilometern Qual und Pein glücklich geschafft…

Fazit

Nach der Zielankunft: Die Flüssigkeitsreserven mußten schnellstens wieder aufgefüllt werden.

Nach der Zielankunft: Die Flüssigkeitsreserven mußten schnellstens wieder aufgefüllt werden.

Eine gelungene Veranstaltung, eine anspruchsvolle Strecke und klasse Organisation. Einzige Wehrmutstropfen: Der verpaßte fliegende Start (wo war der denn nun?) und die für einen von den HEW-Cyclassics verwöhnten Fahrer recht geringe Zuschauerbeteiligung. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Ach ja, die offizielle Zeit für die 72,5 Kilometer: 02:37:51,385 Stunden. Macht einen guten 27er Schnitt. Durchkommen ist alles, also vollste Zufriedenheit!